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Reiseberichte

Walrosse, Vogelfelsen und eine Trapperhütte: was Spitzbergen außer Eisbären zeigt

Vier schlafende Walrosse auf 30 Meter, eine Vogelklippe mit 60.000 Brutpaaren und eine heiße Quelle auf 79° Nord: Spitzbergen hat mehr als Eisbären — oft sogar näher.

1. Juli 2026 · von Leguan Reisen
Walrosse, Vogelfelsen und eine Trapperhütte: was Spitzbergen außer Eisbären zeigt
© Markus Eichenberger~Oceanwide Expeditions

Vier schlafende Walrosse auf 30 Meter Entfernung. Eine Vogelklippe mit 60.000 Brutpaaren. Eine heiße Quelle mit 24 °C warmem Wasser auf 79° Nord. Und ein Rentierbulle, der von sich aus näher kam. Das Bordlogbuch der MS Plancius vom 21. bis 28. Juni 2026 handelt längst nicht nur von Eisbären — und die anderen Begegnungen sind oft die näheren.

Wie nah kommt man an Walrosse heran?

Näher als an jedes andere große Tier der Arktis. Am 27. Juni lagen bei Poolepynten vier männliche Walrosse am Sandstrand. Das Logbuch beschreibt die Szene sachlich: „Die Entfernung von 30 Metern war kein Problem, und wir konnten viele Fotos und Videos von diesen majestätischen Tieren machen. Sie wachten zwar ein paar Mal auf, schauten herüber und beobachteten, was wir taten, schliefen danach aber schnell und ungestört wieder ein."

Zwei Tage vorher, am Strand von Eolusneset im Sorgfjord, lagen ebenfalls vier ausgewachsene Bullen. Auch dort näherten sich die Gruppen langsam und in kleiner Besetzung — „ganz behutsam", wie es im Logbuch heißt. Eines der Tiere rollte sich schließlich den Strand hinunter zurück ins Wasser.

Diese 30 Meter sind übrigens der eigentliche Unterschied zur Eisbärenbeobachtung. Ein Bär wird aus Hunderten von Metern beobachtet, oft nur durchs Fernglas. Ein ruhendes Walross darf man sich — leise, in kleinen Gruppen, ohne den Fluchtweg ins Wasser zu versperren — auf Sichtweite nähern.

Was ist Alkefjellet?

Die vielleicht eindrucksvollste Vogelklippe der Arktis. Sie liegt in der Hinlopenstraße und besteht aus bis zu 100 Meter hohen Basaltsäulen — geologisch eine Dolerit-Intrusion im älteren permischen Kalkstein. Auf ihren Simsen brüten über 60.000 Brutpaare Dickschnabellummen.

Das Logbuch beschreibt weniger den Anblick als die Reizüberflutung: „Wir werden den Anblick, die Geräusche und den Geruch dieser beeindruckenden Klippen nie vergessen – ebenso wenig wie die Unmengen an Vögeln, die den Himmel füllten wie Mücken an einem Sommertag."

Wer genauer hinsah, entdeckte darin das ganze Ökosystem: Skuas und Eismöwen, die Lummen erbeuteten, ein Ei, das die Klippe hinunterrollte, dazwischen brütende Dreizehenmöwen — und am Fuß der Wand zwei Polarfüchse auf Nahrungssuche. Für den Fuchs ist eine Vogelklippe ein Supermarkt: Was herunterfällt, gehört ihm.

Polarfuchs im Sommerfell zwischen Felsen am Fuß einer Vogelklippe auf Spitzbergen
Polarfuchs im braunen Sommerfell. Am Fuß von Alkefjellet patrouillieren die Füchse unter den Brutnischen.Foto: Markus Eichenberger / Oceanwide Expeditions

Muss man für eine Spitzbergen-Reise gut zu Fuß sein?

Nein — weil bei jeder Anlandung geteilt wird. Diese Reise arbeitete mit drei bis vier Wandergruppen, je nach Gelände: eine sportliche, ein bis zwei mittlere und eine ausdrücklich gemütliche.

Wie unterschiedlich das ausfällt, zeigt der 23. Juni bei Jotunkjeldene. Die sportliche Gruppe stieg die Hänge des Smørstabben hinauf und wurde oben mit dem Blick auf den Friedrichbreen-Gletscher belohnt. Die mittleren Gruppen erkundeten das Tiefland. Und die gemütliche Gruppe „meisterte ebenfalls das schwierige Gelände und stieg langsam und stetig zum Jotunkjeldene hinauf" — sie kam also am selben Ziel an, nur später.

Was alle brauchen: Trittsicherheit auf losem Gestein und die Bereitschaft, in großen Gummistiefeln zu gehen. Die stellt das Schiff; sie sind für nasse Anlandungen unverzichtbar und ungewohnt zu laufen. Das Logbuch notiert zum letzten Landgang trocken, alle hätten sich „inzwischen an die großen Gummistiefel gewöhnt".

Heiße Quellen auf 79° Nord?

Ja, es gibt sie. Jotunkjeldene im Bockfjord ist Spitzbergens bekannteste Thermalquelle. Über lange Zeit hat sich aus ausgewaschenen Mineralien ein gelblicher Sinterkegel gebildet, schon vom Kieselstrand aus sichtbar. Aus den Quellen fließt Wasser von etwa 24 °C.

Zum Baden ist das nichts. Interessant ist die Quelle aus einem anderen Grund, den die Assistant-Expeditionsleiterin an Bord erklärte: Sie erwärmt weniger die Umgebung, als dass sie einen eigenen Lebensraum schafft — unter anderem für Bärtierchen, jene mikroskopisch kleinen Organismen, die extreme Temperaturspannen überstehen. Auf einer Insel, auf der die Vegetationszeit wenige Wochen dauert, ist eine dauerhaft 24 °C warme Wasserader eine kleine Sensation.

Wer lebte in den Hütten auf Spitzbergen?

In Mushamna steht eine vergleichsweise junge Trapperhütte: 1987 von Kjell Reidar Hovelsrud errichtet, komplett aus Treibholz gebaut und deutlich größer und komfortabler als die alten Fangstationen. Der Bau wurde ihm zunächst verweigert; erst über den Spitzbergenvertrag erhielt er die Erlaubnis.

Die Gruppe durfte die Hütte betreten. Eine der Guides erzählte dort von ihrer eigenen Feldarbeit in der Lagune von Mushamna, für die sie im Februar eine Woche lang in dieser Hütte gewohnt hatte. Solche Geschichten sind der Grund, warum sich ein Landgang an einer leeren Hütte lohnt: Das Gebäude allein erklärt nichts.

Welche Tiere sieht man außer Eisbären?

Die Artenliste dieser Woche, aus dem Logbuch zusammengetragen:

GruppeBeobachtet
MeeressäugerWalross, Bartrobbe, Sattelrobbe, Beluga, Finnwal, Blauwal, Zwergwal, Grönlandwal, Weißschnauzendelfin
LandsäugerEisbär, Spitzbergen-Rentier, Polarfuchs
VögelDickschnabellumme, Papageitaucher, Krabbentaucher, Dreizehenmöwe, Eismöwe, Elfenbeinmöwe, Küstenseeschwalbe, Eiderente, Nonnengans, Skua, Sandregenpfeifer, Purpurstrandläufer, Rothalstaucher, Spitzbergen-Schneehuhn
PflanzenSilberwurz, Purpur-Steinbrech, Spitzbergen-Mohn, Polarmausohr-Vogelmiere, Büschel-Steinbrech, Flechten und Moose
Zwei Spitzbergen-Rentiere grasen in der grünen Sommertundra
Spitzbergen-Rentiere sind kleiner und gedrungener als ihre Verwandten auf dem Festland — eine eigene Unterart.Foto: Markus Eichenberger / Oceanwide Expeditions

Bemerkenswert am 27. Juni bei Poolepynten: „Das Männchen mit dem großen Geweih ließ sich von unserer Anwesenheit nicht stören und kam sogar auf uns zu." Spitzbergen-Rentiere haben keine natürlichen Landfeinde außer dem Eisbären und sind entsprechend wenig scheu.

Blüht auf Spitzbergen überhaupt etwas?

Mehr, als man denkt — nur sehr klein. Bei Torellneset beschreibt das Logbuch eine Hocharktis-Wüste aus Steinen, in der sich auf den zweiten Blick alles ändert: „In kleinen Gräben, in denen sich Schnee angesammelt und geschmolzen hatte, fanden sich kleine Oasen mit winzigen Pflanzen." Dort wachsen Polarmausohr-Vogelmiere, Purpur-Steinbrech und der Spitzbergen-Mohn, die Nationalblume.

Purpur-Steinbrech mit rosa Blüten zwischen hellen Steinen auf Spitzbergen
Purpur-Steinbrech zwischen Geröll — eine der ersten Blüten des arktischen Sommers.Foto: Markus Eichenberger / Oceanwide Expeditions

Bei Poolepynten kam etwas hinzu, das man nicht vergisst: „Aus der Tundra ragten zahlreiche Walknochen hervor, von denen jeder von einem eigenen kleinen Mikrogarten umgeben war." Ein Walknochen düngt den Boden über Jahrzehnte — jedes Skelett wird zum Beet.

Was für ein Schiff ist die MS Plancius?

Ein ehemaliges Forschungsschiff. 1976 als ozeanografisches Schiff für die Königlich-Niederländische Marine gebaut und auf den Namen „Hr. Ms. Tydeman" getauft, 2009 vollständig zum Passagierschiff umgebaut.

Länge / Breite89 m / 14,5 m
Maximaler Tiefgang5 m
Eisklasse1D
Reisegeschwindigkeit10,5 Knoten
Antriebdrei Elektro-Diesel-Motoren
Besatzung49 Seeleute, dazu acht Guides und eine Schiffsärztin

Acht Guides sind die eigentliche Zahl, auf die es ankommt. Sie ermöglichen die Aufteilung in drei bis vier Wandergruppen — und sie sorgen dafür, dass an Seetagen ein Programm stattfindet. Auf dieser Reise gab es Vorträge über Meereis (auf Deutsch und Englisch parallel), über Eisbären, über Dickschnabellummen, Polarfüchse, Flechten sowie Wale und Delfine.

Die Eisklasse 1D bedeutet: Das Schiff darf sich in loses Treibeis hineinbewegen, ist aber kein Eisbrecher. Auf dieser Reise reichte das für einen ganzen Tag im Packeis auf über 80° Nord.

Was ist der „Polar Plunge"?

Der Sprung ins arktische Wasser, hier am letzten Nachmittag vor der Gletscherfront des Dahlbreen. Das Logbuch fasst ihn passend zusammen: „Eine Erinnerung fürs Leben – ganz gleich, ob es sich gut oder schlecht anfühlte."

Davor stand allerdings etwas anderes: der Aufstieg auf den Hügel vor dem Gletscher und dort ein Moment, den viele als eigentlichen Höhepunkt beschreiben — die arktische Stille, unterbrochen nur vom Donnern des kalbenden Dahlbreen.

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Welche Route zu Ihrer Kondition und Ihren Wünschen passt, klären wir vorher in Ruhe — sprechen Sie uns an.

Grundlage dieses Beitrags ist das Bordlogbuch der MS Plancius zur Reise „Nord-Spitzbergen-Entdecker – Ins Packeis" vom 21. bis 28. Juni 2026 (Oceanwide Expeditions). Kapitän: Matei Mocanu. Expeditionsleiter: Jan Belgers. Alle Beobachtungen, Zahlen und Zitate stammen aus diesem Logbuch. Fotos: Markus Eichenberger / Oceanwide Expeditions.

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