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Reiseberichte

Südgeorgien: warum sich der Umweg auf einer Antarktisreise lohnt

Neun zusätzliche Tage, rund 5.000 Euro Aufpreis — und der tierreichste Ort der Subantarktis. Die vier Anlandeplätze, auf die es ankommt, die Walfangstationen und was so eine Reise kostet.

11. August 2026 · von Leguan Reisen
Südgeorgien: warum sich der Umweg auf einer Antarktisreise lohnt
© Sanneke Van Der Sanden

Zwischen Feuerland und der Antarktischen Halbinsel liegt eine Insel, die auf keiner Kurzreise vorkommt: Südgeorgien. Wer sie mitnimmt, verlängert seine Antarktisreise um mindestens eine Woche und zahlt entsprechend mehr. Warum viele genau das tun — und was auf den vier Anlandeplätzen tatsächlich passiert, die den Unterschied ausmachen.

Warum Südgeorgien den Aufpreis wert ist

Eine klassische Antarktisreise dauert zehn bis zwölf Tage und führt über die Drake-Passage zur Antarktischen Halbinsel. Südgeorgien liegt 1.400 Kilometer weiter östlich — die Insel dazuzunehmen bedeutet zwei zusätzliche Seetage hin, zwei zurück und mindestens drei Tage vor Ort. Aus zwölf Tagen werden neunzehn bis einundzwanzig.

Der Grund, warum viele das trotzdem tun: Südgeorgien ist der tierreichste Ort der Subantarktis, und zwar mit deutlichem Abstand zur Halbinsel. Auf der Halbinsel sieht man Pinguinkolonien in der Größenordnung mehrerer tausend Paare. Auf Südgeorgien stehen Hunderttausende an einem einzigen Strand, dazwischen See-Elefanten und Seebären, darüber Albatrosse.

Dazu kommt etwas, das die Antarktis nicht hat: Geschichte. Südgeorgien war ein halbes Jahrhundert lang das Zentrum des industriellen Walfangs im Südatlantik. Die Stationen stehen noch.

Königspinguin-Kolonie in Salisbury Plain auf Südgeorgien mit tausenden Tieren
Salisbury Plain: Was aus der Ferne wie eine braune Fläche aussieht, sind Zehntausende Königspinguine. Foto: Oceanwide Expeditions

Die vier Anlandeplätze, auf die es ankommt

St. Andrew's Bay — die größte Kolonie der Insel

St. Andrew's Bay trägt die größte Königspinguin-Kolonie Südgeorgiens und eine der größten weltweit. Sie liegt an einem schwarzen Sandstrand, hinter dem sich eine Schwemmebene bis zu drei Gletscherzungen zieht.

Zwischen Anlandestelle und Kolonie liegt ein Schmelzwasserfluss, der zu Fuß gequert wird. Je nach Wetter führt er mehr oder weniger Wasser — bei starker Schmelze ist er der Grund, aus dem eine Anlandung abgebrochen wird. Wer durchkommt, steht anschließend auf einem Aussichtspunkt und überblickt die Kolonie über mehrere hundert Meter.

Königspinguine in der Brandung am schwarzen Sandstrand von St. Andrew's Bay, Südgeorgien
St. Andrew's Bay. Der dunkle Sand stammt vom Abrieb der umliegenden Gletscher. Foto: Sanneke van der Sanden

Gold Harbour — drei Arten auf einem Strand

Gold Harbour ist das Gegenteil einer weiten Ebene: eine enge Bucht, in der der Strand unmittelbar unter zerklüfteten Gipfeln liegt. Dazwischen hängt der Bertrab-Gletscher in der Wand.

Auf diesem schmalen Streifen liegen Königspinguine, antarktische Seebären und See-Elefanten nebeneinander. See-Elefanten wirken dabei harmlos — sie liegen meist reglos in Gruppen. Seebären dagegen verteidigen im Südsommer Reviere und reagieren auf Annäherung. Der Abstand, den das Expeditionsteam festlegt, dient hier ausdrücklich beiden Seiten.

Weil die Bucht offen nach Osten liegt, ankern Schiffe meist über Nacht davor und landen im ersten Licht an, bevor Wind aufkommt.

See-Elefant zwischen Königspinguinen am Strand von Gold Harbour, Südgeorgien
Gold Harbour: See-Elefant zwischen Königspinguinen. Foto: Femke Wolfert

Salisbury Plain — und warum die Anlandung oft ausfällt

Salisbury Plain in der Bay of Isles ist die weiteste der großen Kolonien: eine Schwemmebene zwischen zwei Gletschern, über die sich die Tiere bis an den Hang verteilen.

Der Strand ist offen und ungeschützt. Schon mäßige Dünung macht das An- und Ablegen der Zodiacs unmöglich. Salisbury Plain gehört deshalb zu den Zielen, die auf dem Papier fest stehen und in der Praxis regelmäßig durch geschütztere Buchten ersetzt werden. Wer eine Reise bucht, weil dieser eine Ort darin vorkommt, sollte das wissen.

Right Whale Bay — meist der erste Landgang

Right Whale Bay liegt so an der Nordwestküste, dass Schiffe aus dem Scotia-Meer sie häufig zuerst erreichen. Nach mehreren Seetagen steht man dort unvermittelt zwischen Königspinguinen und Seebären.

Benannt ist die Bucht nach dem Südkaper — im Englischen Southern Right Whale, der „richtige" Wal der Fänger, weil er langsam schwimmt und nach dem Tod an der Oberfläche treibt. Genau diese Eigenschaft brachte die Art an den Rand der Ausrottung.

Grytviken und Stromness: was vom Walfang blieb

Grytviken in der Cumberland Bay war die erste und langlebigste Walfangstation Südgeorgiens. Heute liegt dort ein Museum, eine kleine Kirche, der Friedhof mit Ernest Shackletons Grab — und die Reste der Anlage: Tanks, Kessel, ein aufgelaufenes Fangboot.

Rostendes Walfangboot am Ufer von Grytviken auf Südgeorgien
Grytviken. Die Station wurde 1904 gegründet und 1965 aufgegeben. Foto: Martin van Lokven

Vor der Anlandung kommt in King Edward Cove eine Biosicherheitskontrolle an Bord — und sie beginnt schon am Tag davor. In einer verpflichtenden Sitzung wird jedes Kleidungsstück, jeder Stiefel, jedes Ausrüstungsteil abgesucht. Aus der Hotelabteilung geliehene Staubsauger nehmen sich jede Naht vor, jede sandgefüllte Tasche, jeden samenbedeckten Klettverschluss; anschließend kontrolliert die Expeditionsleitung Stück für Stück und gibt es frei.

Der Hintergrund ist ernst. Eingeschleppte Ratten und Rentiere hatten die Vogelwelt Südgeorgiens beinahe zerstört. Die Insel wurde in einer der größten Ausrottungsaktionen der Naturschutzgeschichte davon befreit — und dieser Zustand soll bleiben. Ein einziger Samen in einem Klettverschluss kann ihn gefährden.

Wenige Kilometer weiter liegt Stromness, die Station, auf die Shackleton 1916 nach der Überquerung der Insel zulief — das Ende der Endurance-Geschichte. Die Gebäude sind heute wegen herabfallender Bauteile nur aus Abstand zu betrachten.

Der letzte Abschnitt dieses Marsches lässt sich mitgehen. Er beginnt an der Fortuna Bay, und Reisen mit genug Zeit landen dort an, um das Stück bis Stromness zu Fuß zu machen — über einen Pass, den Shackleton mit zwei Begleitern erschöpft und ohne Karte überquerte.

Fortuna Bay ist zugleich eine Kinderstube. Antarktische Seebärenjungen kommen zwischen Mitte November und Ende Dezember zur Welt und werden schon nach der ersten Woche allein an Land gelassen, während die Mütter zwischen Nahrungssuche und Säugen pendeln. Im Januar sind sie ein bis zwei Monate alt — und überall.

Licht über der verlassenen Walfangstation Stromness auf Südgeorgien
Stromness: Hier endete Shackletons Marsch über die Insel. Foto: Barry Dench

Welche Tiere Sie sehen — und in welcher Zahl

  • Königspinguine — an den großen Kolonien in sechsstelliger Zahl. Weil ihr Brutzyklus länger als ein Jahr dauert, stehen immer Tiere in verschiedenen Stadien nebeneinander: Küken im braunen Daunenkleid neben brütenden Altvögeln.
  • Antarktische Seebären — im Südsommer in großer Dichte an den Stränden. Bullen verteidigen Reviere; sie sind der Grund, warum Wege abgesteckt werden.
  • See-Elefanten — die größte Robbenart der Erde. Bullen erreichen mehrere Tonnen.
  • Wanderalbatros — mit über drei Metern Spannweite der größte flugfähige Vogel. Südgeorgien ist eines der wenigen Brutgebiete.
  • Wale — Buckel-, Finn- und gelegentlich Blauwale entlang der Küste. Die Bestände erholen sich seit dem Ende des Walfangs, aber langsam.
Wanderalbatros breitet seine Flügel aus, Südgeorgien
Wanderalbatros. Junge Vögel üben das Fliegen monatelang am Nest, bevor sie zum ersten Mal aufs Meer hinausgehen. Foto: Rinie van Meurs

Vogelgrippe: was Reisende wissen sollten

Seit 2023 hat die hochpathogene Variante H5N1 die Subantarktis erreicht, und Südgeorgien ist betroffen. Besonders trifft es Seebären und See-Elefanten. An manchen Stränden liegen Kadaver — von Alttieren wie von Jungtieren.

Für eine Reise bedeutet das dreierlei: strengere Abstandsregeln, verschärfte Stiefeldesinfektion und die Möglichkeit, dass einzelne Anlandeplätze kurzfristig gesperrt werden. Wer dorthin plant, sollte damit rechnen, dass ein Landgang entfällt — nicht wegen des Wetters, sondern zum Schutz der Tiere.

Das ist keine Ausnahme mehr, sondern der Normalzustand der letzten Saisons. Seriöse Anbieter sagen das vorher.

A23a: der größte Eisberg der Welt

Auf der Strecke zwischen Falklandinseln und Südgeorgien treibt seit einigen Jahren ein Objekt, das die Route zusätzlich lohnend macht: A23a, der größte Eisberg der Erde und zugleich das größte schwimmende Objekt überhaupt.

Er brach 1986 vom Filchner-Schelfeis ab, saß danach jahrzehntelang im Weddellmeer fest und begann erst in den vergangenen Jahren nach Norden zu treiben — auf einer Bahn, die ihn in die Nähe Südgeorgiens führte.

Die Annäherung ist selten spektakulär. Über der Antarktischen Konvergenz liegt häufig dichter Nebel; ein Schiff kann auf wenige Seemeilen heran sein, ohne dass etwas zu sehen wäre. Bemerkbar macht er sich zuerst über das Gehör und über das Schiff selbst: dumpfes Donnern, wenn die Dünung gegen die Eiswand schlägt, und ein sanftes Rollen in der Rückströmung.

Die Südsandwichinseln: der seltenste Zusatz

Östlich von Südgeorgien liegt eine Kette aus elf Vulkaninseln, die kaum eine Reise ansteuert: keine Häfen, keine Stationen, keine geschützten Ankerplätze. Wer sie sieht, hat eine der ungewöhnlichsten Routen der Antarktis gebucht.

Auf Zavodovski, der nördlichsten Insel, brüten rund 1,3 Millionen Paare — überwiegend Zügelpinguine. Das ist die größte Pinguinkolonie der Erde, und sie sitzt auf einem aktiven Stratovulkan: dem 551 Meter hohen Mount Curry, aus dessen Fumarolen nahe dem Gipfel Schwefelgase austreten. Die vulkanische Wärme hält Teile der Hänge schneefrei und macht die Brutplätze früher verfügbar als anderswo.

Die Insel trägt den Beinamen „stinkendste der Welt", und dafür gibt es zwei Gründe: den Schwefel und 1,3 Millionen Pinguine. Bei auflandigem Wind riecht man Zavodovski, bevor man sie sieht.

Die Bedingungen dort gehören zur Wahrheit dazu. Eine Passage im Januar 2025 verzeichnete 4,2 Meter Wellenhöhe, Böen bis 35 Knoten und 1 °C Lufttemperatur — bei einem gefühlten Wert um −16 °C. Wer auf Deck wollte, bekam die Antarktis in voller Härte zu spüren.

Pinguinbesetzte Vulkanhänge auf Saunders Island, Südsandwichinseln
Südsandwichinseln: Was wie Textur im Hang aussieht, sind Pinguine. Foto: Vidar Bakken

Ganz im Süden liegt die geflutete Vulkancaldera zwischen Thule und Cook Island. Wo das Wetter ein Fenster lässt, kann ein Schiff hineinfahren; von den Zodiacs aus sind die Reste der argentinischen Station Corbeta Uruguay zu sehen, die 1982 zerstört wurde. An den Ufern stehen Zügelpinguine, zwischen den Felsen liegen Seebären. Wie selten das ist, zeigt eine Zahl: Eine Fahrt im Januar 2025 war erst die zweite Zodiacfahrt überhaupt an diesem Ort.

Auf Saunders Island steht im Krater des Mount Michael ein dauerhafter Lavasee — weltweit sind nur eine Handvoll bekannt. Der Nachweis gelang erst 2022 über Satellitenaufnahmen; die Insel ist zu abgelegen und zu häufig bewölkt für Beobachtungen vom Boden. Vom Schiff aus sieht man meist die Dampffahne, selten mehr.

Dauer, Reisezeit, Anlandungsrisiko

Dauer. Realistisch sind 19 bis 21 Tage für Falklandinseln, Südgeorgien und Antarktische Halbinsel. Kürzere Kombinationen von 14 Tagen lassen entweder die Falklands oder Teile der Halbinsel weg.

Reisezeit. Oktober und November zeigen die Kolonien beim Brüten und den meisten Schnee. Dezember und Januar bringen Küken und die höchsten Temperaturen. Februar und März sind die Zeit für Wale, die Kolonien sind dann durchmischt.

Anlandungsrisiko. Südgeorgien hat kaum geschützte Buchten. Zwei bis drei Anlandungen einer Reise fallen typischerweise aus — das ist kein Zeichen schlechter Planung, sondern normal. Reisen mit mehr Tagen vor Ort haben schlicht mehr Versuche.

Was eine Reise mit Südgeorgien kostet

ReiseDauerAbfahrtPreis ab
Falklandinseln – Südgeorgien – Antarktische Halbinsel | MS Plancius21 Tage24.10.202614.000 €
Falklandinseln – Südgeorgien – Antarktische Halbinsel | MS Hondius21 Tage03.11.202614.000 €
Falklandinseln – Südgeorgien – Antarktische Halbinsel | MS Plancius19 Tage23.11.202614.250 €
Südgeorgien und Antarktis | HANSEATIC inspiration14 Tage11.02.202812.540 €

Zum Vergleich: Eine Antarktisreise ohne Südgeorgien beginnt bei rund 8.000 Euro für zehn bis zwölf Tage. Der Aufpreis für Südgeorgien liegt also bei etwa 5.000 bis 6.000 Euro — für neun zusätzliche Tage und den tierreichsten Ort der Subantarktis.

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Ob sich der Umweg über Südgeorgien für Ihre Reise lohnt, hängt davon ab, wie viel Zeit Sie haben — sprechen Sie uns an.

Grundlage der Ortsbeschreibungen sind die Bordaufzeichnungen der Reise „Remote Weddell Sea Explorer" mit der MS Ortelius, 11. Februar bis 10. März 2025, Ushuaia–Ushuaia. Fotos: Oceanwide Expeditions und die jeweils genannten Fotografinnen und Fotografen. Preise und Termine Stand August 2026, Änderungen vorbehalten.

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