← Zurück zum Blog
Reiseberichte

An Bord der MS Cape Race: zwölf Gäste, Sauna und Gletschereis im Glas

Zwölf Gäste, acht Crew, Cocktails mit Gletschereis und eine Führung durch den Maschinenraum: das Bordleben der MS Cape Race auf der Fahrt Nuuk–Ilulissat.

28. Juni 2026 · von Leguan Reisen
An Bord der MS Cape Race: zwölf Gäste, Sauna und Gletschereis im Glas

Cocktails mit echtem Gletschereis, eine Sauna, die fast täglich lief, und eine Führung durch den Maschinenraum: Das Bordlogbuch der MS Cape Race zur Fahrt von Nuuk nach Ilulissat im Juni 2026 erzählt nebenbei auch, wie es sich auf einem Schiff mit zwölf Gästen lebt. Und es macht deutlich, warum ausgerechnet die geringe Größe der Grund dafür ist, dass manche Orte überhaupt erreichbar sind.

Wie viele Gäste sind auf der MS Cape Race an Bord?

Höchstens zwölf. Auf dieser Reise standen ihnen acht Personen gegenüber, die den Betrieb trugen:

KapitänMarc Weisssteiner
ExpeditionsleitungAndreas Umbreit
GuideMonika Hiller
Erste SteuerfrauAnnette Madsen
SchiffsingenieurModou Nije
HotelmanagerinAnnie Krings
KöchinAnne Seidel
Zodiacfahrerin / ServiceNatalja Grubba

Das Verhältnis ist der eigentliche Unterschied zu größeren Expeditionsschiffen. Auf zwölf Gäste kommen acht Leute — und weil alle zwölf in ein Zodiac-Paar passen, braucht eine Anlandung keine Gruppeneinteilung und keine Wartenummer. Wenn angelandet wird, gehen alle. Auf einem Schiff mit 150 Gästen bedeutet dieselbe Anlandung drei Wellen, feste Zeitfenster und eine Stunde Wartezeit für die letzte Gruppe.

Eine eigene Köchin für zwölf Personen ist die zweite Konsequenz dieser Größe: keine Büfettlogistik, sondern Kochen für einen Tisch.

Was für ein Schiff ist die MS Cape Race?

Ein ehemaliger Hochseefischkutter, 1963 gebaut und zuletzt 2018/2019 umgebaut. Die technischen Eckdaten erklären das Reiseerlebnis besser als jede Beschreibung:

Länge / Breite38 m / 7,47 m
Tiefgang3,80 m
Geschwindigkeit8 Knoten normal, maximal 9,5 Knoten
MaschineCaterpillar 3512, 12 Zylinder
Rumpfeisverstärkt
BordspracheDeutsch

3,80 Meter Tiefgang sind der Schlüssel zur Route. Damit kommt das Schiff in Buchten hinein, in die ein Schiff mit sechs oder sieben Metern Tiefgang nicht einlaufen kann — und genau dort liegen die Orte, die auf keinem Ausflugsprogramm stehen.

Acht Knoten sind der Preis dafür. Das ist Schrittgeschwindigkeit auf dem Wasser und heißt: kurze Etappen, viel Zeit vor Anker, kein Wettlauf zwischen zwei Häfen. Wer Strecke machen will, ist hier falsch. Wer Zeit an einem Ort verbringen will, richtig.

Welche Orte erreicht ein kleines Schiff, die große nicht anfahren?

Diese Woche führte unter anderem nach Imerissoq, einer verlassenen Insel in der Diskobucht, und zur aufgegebenen Siedlung Assaqutaq — Plätze ohne Steg, ohne Infrastruktur und ohne ein zweites Schiff am Horizont. Zwischen verfallenen Häusern erkundete die Gruppe individuell die Spuren eines ehemaligen Fischerdorfs.

Verfallenes Holzhaus auf der verlassenen Insel Imerissoq in der Diskobucht, Grönland
Imerissoq in der Diskobucht: ein aufgegebenes Fischerdorf. Solche Orte sind das eigentliche Vorrecht kleiner Schiffe — es gibt dort nichts, was eine Ausflugslogistik tragen würde.

Dazu kommt die Beweglichkeit im Tagesablauf. Als am 13. Juni die Flut rascher stieg als erwartet, wurde der Rückweg zum Zodiac kurzerhand geändert. Auf einem Schiff mit 170 Gästen ist so etwas eine Logistikfrage mit Ansagen über Lautsprecher; hier war es eine Entscheidung von Minuten, getroffen von den Leuten, die daneben standen.

Gibt es auf der MS Cape Race eine Sauna?

Ja — und sie wird benutzt. Das Logbuch erwähnt sie an drei von acht Tagen ausdrücklich: am 14. Juni „eine entspannte Mittagspause mit Sauna und Sonnenschein" vor der Gletscherbegehung, am 16. Juni „Sauna, frische Seeluft und Cocktails mit echtem Gletschereis", am 17. Juni schlicht: „Auch heute fehlte die Sauna nicht im Tagesprogramm."

Das Gletschereis im Glas ist übrigens kein Marketingeinfall, sondern naheliegend: Es treibt ohnehin ums Schiff herum, ist Jahrtausende alt und knistert im Getränk, weil eingeschlossene Luft entweicht, wenn das Eis schmilzt.

Was unternimmt man an Bord außer Landgängen?

Zwei Dinge dieser Woche stehen exemplarisch dafür, dass ein kleines Schiff mehr ist als eine Fähre zwischen Anlandungen.

Wissenschaft. Am 17. Juni entnahm die Gruppe bei Paakitsoq gemeinsam Wasserproben für Planktonuntersuchungen — und fand „sehr viel Leben, sowohl Zoo- als auch Phytoplankton". In derselben Nacht standen Buckelwale und riesige Loddenschwärme um das ankernde Schiff. Die Probe vom Vormittag hatte die Erklärung dafür bereits geliefert: Wo das Plankton steht, stehen die Fische, und wo die Fische stehen, kommen die Wale.

Der Maschinenraum. Am vorletzten Abend führte der Schiffsingenieur durch den Maschinenraum. Auf einem Schiff dieser Größe ist das möglich, weil man den Ingenieur ohnehin dreimal täglich beim Essen trifft — und weil es keine Sicherheitsarchitektur gibt, die zweihundert Gäste von der Technik fernhalten müsste.

Wie ist der Tagesablauf an Bord?

Nach dem Logbuch dieser Woche: vormittags eine Anlandung mit zwei Wanderoptionen, mittags zurück an Bord, nachmittags eine zweite Unternehmung — eine weitere Anlandung, eine Zodiacfahrt zwischen gestrandeten Eisblöcken oder die Fahrt in einen Fjord. Abends dann die Verlegung zum nächsten Ankerplatz.

Nördlich des Polarkreises, den das Schiff am 15. Juni überquerte, findet das alles bei Tageslicht statt. Die Sonne geht im Juni nicht unter, und das verändert den Rhythmus an Bord mehr, als man erwartet: Es gibt keinen Zeitpunkt, an dem der Tag von selbst endet.

Ist die MS Cape Race ein Eisbrecher?

Nein — und das sollte man wissen, bevor man bucht. Der Rumpf ist eisverstärkt und kräftig gebaut, das Schiff war schließlich als Hochseefischkutter im Nordatlantik unterwegs. Ein Eisbrecher ist es damit nicht: Es ist nicht dafür ausgelegt, dicke Schollen aufzubrechen, und es fährt auch nicht in geschlossenes Packeis hinein.

Für eine Reise wie diese ist das kein Nachteil. Die Fahrt durch den Eisfjord von Ilulissat am 18. Juni führte an gewaltigen Eisbergen und endlosen Eisfeldern vorbei — entscheidend dafür ist nicht, was ein Schiff aufbrechen könnte, sondern wie umsichtig es fährt und wie viel Zeit es sich nimmt. Bei acht Knoten Reisegeschwindigkeit hat es diese Zeit ohnehin.

Wo beginnt und endet die Reise?

Diese Route startete in Nuuk, der Hauptstadt Grönlands auf 64° Nord, und endete in Ilulissat auf 69° Nord. Beide Orte haben einen Flughafen; der Transfer zum Flughafen von Ilulissat gehörte am Abreisetag zum Programm. Eine Punkt-zu-Punkt-Route hat gegenüber einer Rundreise den Vorteil, dass keine Strecke zweimal gefahren wird — in acht Tagen bei acht Knoten ein handfestes Argument.

Weiterlesen

Zwölf Plätze sind schnell vergeben — sprechen Sie uns an, wenn Sie wissen möchten, welche Abfahrt noch frei ist.

Grundlage dieses Beitrags ist das Bordlogbuch der MS Cape Race zur Reise MARE 07-26 vom 12. bis 19. Juni 2026. Text des Logbuchs: Monika Hiller. Expeditionsleitung: Andreas Umbreit. Fotos: Monika Hiller und Andreas Umbreit. Die technischen Schiffsdaten stammen von der Reederei.

Weitere Beiträge
Mehr aus dem Blog
Reiseberichte

Spitzbergen Anfang Mai: Fjordeis, Walrosse und ein Schiff für zwölf

30. Juli 2026
Reiseberichte

Spitzbergen Mitte Mai: Meereis, Walrosse und eine Kalbung am Kronebreen

23. Juli 2026
Reiseberichte

Spitzbergen-Umrundung: einmal geschafft, einmal nicht

18. Juli 2026

Inhabergeführt seit 2000 · 26 Jahre Reise-Erfahrung
Leguan Reisen GmbH · Frechen bei Köln
→ polar-schiffsreisen.de Polar-Portal