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Vom Kontinent des Kolibris

Vom Kontinent des Kolibris 96 — Das Neujahrsfest der Mapuche

20. Januar 2026 · von Martina Ehrlich

Das neue Jahr ist schon wieder im Gange — die ersten Nachrichten überschlagen sich, und doch bietet jeder Jahresbeginn die Gelegenheit, innezuhalten und Absichten für das Kommende zu setzen.

Nicht alle Kulturen feiern das neue Jahr am 1. Januar. In Indien wird Diwali im Oktober oder November begangen, das islamische Neujahr fällt in den Mai oder Juni, und das chinesische Neujahr in den Januar oder Februar. Viele indigene Völker Lateinamerikas markieren ihren Jahreswechsel zur Wintersonnenwende — am 21. Juni — mit Festen wie dem Inti Raymi in den Anden.

Die Mapuche im südchilenischen Seen- und Vulkangebiet feiern Wiñoy Tripantu — „neue Sonne". Das Fest steht für die Rückkehr des Lichts und des Lebens in einem neuen Jahreszyklus; es beginnt ein neues Erntejahr.

Die Feiern beginnen im Morgengrauen. Die Mapuche gehen an nahe Flüsse oder Bäche, um die Negativität des vergangenen Jahres abzuwaschen, sich von Krankheit, negativen Gedanken und bösen Geistern zu reinigen. Ein heiliges Feuer namens Nadü wird entzündet und symbolisiert das Licht der Sonne; es brennt bis zum nächsten Sonnenaufgang.

Die Gemeinschaft versammelt sich in traditioneller Kleidung um das Feuer, singt, spielt Instrumente, tanzt. Die Älteren erzählen alte Geschichten mit kultureller, philosophischer und politischer Bedeutung und geben so ihr Erbe an die Jüngeren weiter. Eine spirituelle Führungspersönlichkeit, die Lawentuchefe, leitet das Ritual, das auch Opfergaben an die Natur und das Teilen traditioneller Mapuche-Gerichte umfasst — Symbole für Wohlstand, Einheit, Balance und Dankbarkeit.

Nach Mapuche-Glauben sind die Menschen tief mit der Natur verbunden. Sonne, Mond, Regen, Meer und Wind müssen im Gleichgewicht bleiben, damit Wohlergehen und persönliche Harmonie möglich sind. Das Fest hat tiefe Wurzeln in der Mapuche-Kultur Südchiles und Argentiniens und erlebt in den letzten Jahrzehnten eine starke Wiederbelebung — gemeinsam mit dem wachsenden Selbstbewusstsein und Landrechtsaktivismus der indigenen Bevölkerung.

Besonders eindrücklich ist die Mapuche-Überzeugung, dass alles im Gleichgewicht bleiben muss. Der Respekt vor Dualitäten — Mond und Sonne, weiblich und männlich, Winter und Sommer, Ebbe und Flut, Unbewusstes und Bewusstes — bringt Glück und Harmonie.

In diesem Sinne: Ein frohes neues Jahr!

Martina Ehrlich

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