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Notizen aus hohen Breiten

Notizen aus hohen Breiten: Saisonstart Grönland extrem

Ein über Nacht gesperrter Flughafen, eine improvisierte Umbuchung – und am Ende zehn sonnendurchflutete Tage an Grönlands Westküste: mit Landungen, die nicht einmal im AECO-Register verzeichnet sind, und einem Besuch bei fast vier Milliarde...

24. Juni 2026 · von Andreas Umbreit
Notizen aus hohen Breiten: Saisonstart Grönland extrem
© Andreas Umbreit

Notizen aus hohen Breiten von Andreas Umbreit

Andreas Umbreit
Andreas Umbreit ist Expeditionsleiter an Bord der CAPE RACE und ein wahres Urgestein der Arktis. Mit über drei Jahrzehnten Erfahrung im hohen Norden, darunter viele Jahre als Bewohner und Inhaber einer Reiseagentur in Spitzbergen, verfügt er über ein einzigartiges Hintergrundwissen.

Heute teilt er seine profunde Kenntnis der polaren Natur und Geschichte leidenschaftlich mit seinen Gästen.

Auf dem Weg zum Saisonstart in Südgrönland auf der CAPE RACE: Unsere Teilnehmer der ersten Reisegruppe, Monika als zweiter Guide und ich als Expeditionsleiter stießen schon beim Zwischenstopp in Keflavik (Island) aufeinander, von wo es am Folgetag eigentlich ins südgrönländische Qaqortoq und dort auf das bereits wartende Schiff weitergehen sollte.

Ein gesperrter Flughafen

Leider hatte ich keine guten Nachrichten für unsere Gäste: Unser erst vor ein paar Monaten eröffneter Zielflughafen Qaqortoq in Südgrönland war direkt vor unserer Anreise von den dänischen Aufsichtsbehörden geschlossen worden, weil er hinsichtlich der Einhaltung von Sicherheitsstandards durchgefallen war – ähnlich, wie dies 2025 mit dem damals neuen Flughafen in der grönländischen Hauptstadt Nuuk der Fall gewesen war. Und einen geeigneten Ausweichflughafen im Umkreis von Hunderten von Kilometern gibt es nicht.

Das bevölkerungsmäßig winzige Grönland hat immer wieder Probleme, für so komplexe Aufgaben wie den Betrieb eines modernen Flughafens ausreichend qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung zu haben – insbesondere in dessen Anfangsphase. Wie lang diese Sperrung dauern würde? Niemand wusste es.

Sondereinsatz also bei Leguan Reisen als der für die Kunden zuständigen Reiseagentur: Herumtelefonieren mit dem Schiffseigner, den Fluglinien, Hotels und natürlich auch mit mir, der ich mit der ersten Gästegruppe nun in Keflavik festsaß, für womöglich unklar viele Tage. Letztlich gelang es Leguan Reisen in Absprache mit dem Schiffseigner und der CAPE RACE, eine im Rahmen der Gegebenheiten für die Gruppe erstaunlich gute Lösung zu finden: Wir wurden auf Greenland Air umgebucht und flogen statt nach Qaqortoq nun nach Nuuk, wohin die CAPE RACE unter Volldampf durch ein Schlechtwettergebiet mit hohem Seegang „dampfte“ und uns dort tatsächlich nur zwei Tage nach dem eigentlich geplanten südgrönländischen Schiffstourstart aufnahm – nachdem wir vorher noch eine reizvolle Bergtour in der Umgebung von Nuuk unternehmen konnten. Firmenseitig war das durch zusätzliche Hotel- und Dieselkosten eine teure Lösung, aber ich habe schon oft erlebt, dass Kundenzufriedenheit im Rahmen des Machbaren hier einen großen Stellenwert hat.

Genau das ist so eine Herausforderung, die ich als Expeditionsleiter schätze.

Spontanprogramm an Grönlands Westküste

Natürlich nahm die Reise nun einen anderen Ablauf: Der eigentlich erste Teil in Südgrönland fiel aus, stattdessen hatten wir nun reichlich Zeit in Westgrönland und mussten hier ein Spontanprogramm aus dem Ärmel schütteln – aber genau das ist so eine Herausforderung, die ich als Expeditionsleiter schätze. Dieses Jahr genau 40 Jahre Arktiserfahrung sind da genauso nützlich wie die vorhergehenden Fahrten der letzten Jahre an dieser Küste.

Gäste am Taateraat-Gletscher im Evighedsfjord
Im Evighedsfjord am Taateraat-Gletscher – einer der bekannten Anlaufpunkte unserer Westküsten-Route.

Neben bekannten Anlaufpunkten wie Nuuk, Sisimiut oder dem Evighedsfjord steuerten wir auch neue Plätze an, die keiner von uns vorher besucht hatte – darunter sogar drei Landungen, die im Register der AECO (Verband der Arktis-Expeditionskreuzfahrtveranstalter) noch überhaupt nicht verzeichnet waren: völlig abseits des Standardtourismus, dafür mit phantastischer Landschaft.

Auch der Geologe unter unseren Teilnehmern, der eigentlich auf ein paar geologisch interessante Plätze in Südgrönland gehofft hatte, bekam ein besonderes, unerwartetes „Schmankerl“: Wir landeten bei den möglicherweise ältesten Gesteinen der Welt aus den unwirtlichen Anfangszeiten der Erde, fast vier Milliarden Jahre alt, die sich auch visuell und photographisch als spannend erwiesen und die er der übrigen Gruppe leicht verständlich erklären konnte.

Akilia – möglicherweise die ältesten Gesteine der Erde
Bei Akilia: fast vier Milliarden Jahre alte Gesteine aus den Anfangszeiten der Erde.

Gletscher, Eisberge, tolle Gebirgsformationen, Bergseen, verschiedene Siedlungen, Spuren der Geschichte – und ein sagenhaft sonniges Wetter während der nahezu gesamten zehn Grönlandtage (wenn auch zwischendrin mit etwas mehr Wellen): Der holprige Start der Reise war rasch vergessen, und etliche Teilnehmer wollten schon unterwegs von mir wissen, welche weiteren Reisen mit der CAPE RACE zu ihren jeweiligen Interessen passen könnten.

Grönland Extrem

Insofern hatten wir als Saisonstart „Grönland Extrem“: einerseits die sehr direkte Erfahrung der Schwierigkeiten dieser riesigen Arktisinsel und ihrer wenigen Menschen beim Übergang in eine technisierte Zukunft – und gleichzeitig, ähnlich direkt und intensiv, das Erlebnis der überwältigenden natürlichen Vielfalt Grönlands in traumhaft-sonnigem Wetter. Die folgenden Bilder aus dieser Reise mögen einen kleinen Eindruck dieser Schönheit liefern.

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