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Reiseberichte

Von Spitzbergen nach Island: was eine Einwegroute zeigt

Vierzehn Tage, zwei Länder, eine Strecke, die man nur einmal fährt. Was auf den Seetagen durch die Framstraße passiert — und warum das keine verlorenen Tage sind.

1. September 2026 · von Leguan Reisen

Am dritten Morgen weckte die Gäste ein Geräusch, das es auf einer Rundreise nicht gibt: das Knirschen von Eis am Bug.

Die MV Plancius war in der Nacht nach Nord-Nordwest gelaufen und hatte das Packeis erreicht. Draußen lag, wie das Bordbuch schreibt, „endlose Weite treibender Eisschollen, ein Farbspektrum aus Grau-, Weiß- und Blautönen".

Das Schiff war unterwegs von Longyearbyen auf Spitzbergen nach Akureyri auf Island — vierzehn Tage, zwei Länder, eine Strecke, die man nur einmal fährt. Dieser Text handelt davon, was eine solche Einwegroute zeigt, was sie kostet und für wen sie sich lohnt.

Blick vom Bug eines Expeditionsschiffs über weites Packeis, Gäste an der Reling
Packeis auf dem Weg von Spitzbergen nach Nordostgrönland. Auf dem Papier ein Seetag — tatsächlich der Tag mit dem Blauwal. © Michael Lohmann / Oceanwide Expeditions

Was auf dem Weg passiert, den man nur einmal fährt

An diesem dritten Tag war kein Landgang geplant. Es war ein reiner Fahrtag im Eis — auf dem Papier ein Seetag.

Dann tauchte direkt vor dem Schiff ein Blauwal auf. Das größte Tier, das jemals auf diesem Planeten gelebt hat. Er kam mehrmals zum Atmen an die Oberfläche, so nah, dass die blau-graue Musterung und die verhältnismäßig kleine Rückenflosse deutlich zu erkennen waren, und verschwand dann wieder unter dem treibenden Eis.

Am selben Nachmittag meldete die Brücke Robben auf den Eisschollen. Der Kapitän lenkte das Schiff hin — es waren mindestens fünfzig Sattelrobben.

Am vierten Tag, auf der Grönlandsee, kam der erste Eisberg der Reise in Sicht. Und wenige Augenblicke später ein Finnwal, das zweitgrößte Tier der Erde, der dreimal auftauchte, bevor er abtauchte.

Zwei Seetage. Zwei der größten Tiere der Welt.

Warum Seetage keine verlorenen Tage sind

Das gilt allerdings nur, wenn an Bord etwas stattfindet. Auf dieser Reise war das Programm der Seetage dicht — und durchgehend zweisprachig, deutsch und englisch:

  • Die Expeditionsleiterin über Meereis: wie es entsteht, warum es für die Tierwelt und das Weltklima wichtig ist, wie der Klimawandel es verändert.
  • Der Astronom an Bord über Sonnenfinsternisse — diese Reise lag im Schattenband der Finsternis vom 12. August 2026.
  • Zwei Guides über Wale, ihre Biologie und ihre Anpassungen an die Arktis.
  • Eine Kollegin über die Menschen Grönlands, ihr kulturelles Erbe und ihre Traditionen.
  • Ein Kurzvortrag über Petrus Plancius, den Kartografen und Astronomen, nach dem das Schiff benannt ist.
  • Auf der letzten Etappe nach Island: Wikinger und Plankton.

Das Bordbuch zieht daraus einen Schluss, den wir unterschreiben: „Obwohl der gesamte Tag auf See verbracht wurde, zeigte er eindrucksvoll, dass Expeditionskreuzfahrten ebenso sehr von Entdeckungen wie von ihren Reisezielen leben."

Drei Landschaften statt einer zweimal

Der eigentliche Grund für eine Einwegroute ist die Abwechslung.

Die ersten beiden Tage lagen im Nordwesten Spitzbergens: Smeerenburg, die alte niederländische Walfangstation, die zwischen 1619 und 1660 in Betrieb war und aufgegeben wurde, nachdem keine Wale mehr zu finden waren. Heute ruhen dort einige Dutzend Walrosse am Strand. Auf der Insel Ytre Norskøya führt ein Weg auf den Utkiken, den „Ausguck" auf 151 Metern, von dem aus die Walfänger im 18. Jahrhundert nach Beute Ausschau hielten.

Spitzbergen-Rentier in der Tundra
Die ersten beiden Tage liegen im Nordwesten Spitzbergens, bevor das Schiff Kurs auf die Framstraße nimmt. © Erwin Vermeulen / Oceanwide Expeditions

Dann acht Tage Nordostgrönland: Fjorde, Gletscher, Moschusochsen, der Scoresby Sund. Und zuletzt die Überfahrt nach Island, wo die Reise in Akureyri endet.

Wer dieselbe Region zweimal durchfährt, sieht sie zweimal. Wer eine Strecke fährt, sieht drei verschiedene Welten.

Was das Schiff dafür können muss

Die MV Plancius ist 89 Meter lang, 14,5 Meter breit, hat 5 Meter Tiefgang und fährt rund 10,5 Knoten. Gebaut wurde sie 1976 als ozeanografisches Forschungsschiff für die Königlich-Niederländische Marine und trug damals den Namen „Hr. Ms. Tydeman"; 2009 wurde sie zum Passagierschiff umgebaut. An Bord sind 51 Besatzungsmitglieder.

Entscheidend für diese Route ist die Eisklasse 1D. Sie erlaubt Fahrt in losem Treibeis — nicht das Brechen geschlossener Eisdecken. Wie weit ein Schiff hineinfahren kann, entscheidet die Eislage am jeweiligen Tag.

Moschusochsen an einem Hang in Nordostgrönland
Moschusochsen in Nordostgrönland. Im Fleming Fjord beobachtete die Gruppe sie beim Wandern über die Hänge. © Erwin Vermeulen / Oceanwide Expeditions

Was Sie einplanen müssen

Ehrlich gesagt: mehr Aufwand als bei einer Rundreise.

  • Zwei Flüge statt einem Hin- und Rückflug. Anreise nach Longyearbyen, Rückreise ab Akureyri oder Reykjavík. Das will früh gebucht sein.
  • Vier Seetage von vierzehn. Wer jeden Tag an Land will, ist mit einer Rundreise besser bedient.
  • Kein festes Programm. Zweimal wurde auf dieser Reise eine geplante Anlandung abgesagt, weil ein Eisbär in der Nähe war — einmal bei Kap Humboldt, einmal im Antarctic Havn. Fünf Eisbären zählte die Reise insgesamt, nach Einschätzung einiger Guides ein Rekord für Grönland.

Der letzte Punkt ist kein Mangel, sondern das Prinzip. Das Bordbuch bringt es auf einen Satz: „Am Ende mag das Expeditionsteam die Pläne machen — doch in der Arktis haben die Tierwelt und die Landschaft immer das letzte Wort."

Und manchmal ist die Strecke selbst das Ziel

Am vorletzten Tag, kurz nachdem das Schiff den Scoresby Sund verlassen hatte und Kurs auf Island nahm, versammelten sich vor dem Bug mehr als fünfzig Buckelwale zur gemeinsamen Nahrungssuche.

Kein Landgang, kein Programmpunkt, nichts, was in einem Katalog stehen könnte. Nur die Strecke zwischen zwei Ländern und ein Schiff, das langsam genug fuhr.

Routen dieser Art

Die Einwegvariante bis Island fährt die MS Hondius: Spitzbergen – Nordostgrönland – Island, fünfzehn Tage. Wer lieber nach Spitzbergen zurückkehrt, findet dieselbe Küste bei der MV Plancius nach Nordostgrönland und in den Scoresby Sund in vierzehn Tagen.

Eine dritte Möglichkeit ist die Kombination aus Flug und Segelschiff: Spitzbergen – Nordostgrönland, Fliegen & Segeln mit der SV Rembrandt van Rijn über zwanzig Tage. Weitere Routen stehen in der Reiseübersicht — sprechen Sie uns an, wenn Sie abwägen möchten, welche Form zu Ihnen passt.

Häufige Fragen zur Route Spitzbergen – Grönland – Island

Was ist eine Einwegroute in der Arktis?

Eine Reise, die in einem Hafen beginnt und in einem anderen endet — etwa von Longyearbyen auf Spitzbergen nach Akureyri auf Island. Anders als bei einer Rundreise fährt man keine Strecke zweimal, muss aber zwei verschiedene Flüge planen.

Wie viele Seetage hat eine solche Überfahrt?

Auf der beschriebenen Reise waren es vier von vierzehn Tagen: zwei für die Querung der Framstraße zwischen Spitzbergen und Grönland und zwei für die Strecke von Grönland nach Island. Die restlichen zehn Tage lagen Anlandungen oder Zodiac-Ausfahrten an.

Sind Seetage verlorene Tage?

Nur wenn an Bord nichts stattfindet. Auf dieser Reise gab es an den Seetagen Vorträge auf Deutsch und Englisch — zu Meereis, Walen, den Menschen Grönlands, Sonnenfinsternissen, Wikingern und Plankton. Der erste Seetag brachte zudem einen Blauwal und mindestens fünfzig Sattelrobben.

Was ist die Framstraße?

Die Meerenge zwischen Spitzbergen und Grönland. Durch sie strömt kaltes Wasser mit Meereis aus dem Arktischen Ozean nach Süden. Wer sie quert, fährt je nach Jahr und Lage durch offenes Wasser oder durch Packeis.

Braucht ein Schiff für diese Route eine Eisklasse?

Ja. Die MV Plancius hat die Eisklasse 1D. Das erlaubt Fahrt in losem Treibeis, nicht das Brechen geschlossener Eisdecken. Wo genau ein Schiff hineinfahren kann, entscheidet die Eislage am jeweiligen Tag, nicht der Prospekt.

Wie groß ist ein Expeditionsschiff dieser Klasse?

Die Plancius ist 89 Meter lang und 14,5 Meter breit, hat 5 Meter Tiefgang und fährt rund 10,5 Knoten. Sie wurde 1976 als ozeanografisches Forschungsschiff für die Königlich-Niederländische Marine gebaut und 2009 zum Passagierschiff umgebaut. An Bord sind 51 Besatzungsmitglieder.

Lohnt sich der Aufwand von zwei Flügen?

Das hängt davon ab, was Sie sehen wollen. Eine Einwegroute zeigt drei verschiedene Landschaften — arktisches Hochinselland, ostgrönländische Fjorde, isländische Küste — statt einer zweimal. Wer die einfachere Anreise vorzieht, findet Rundreisen ab und bis Longyearbyen.

Grundlage dieses Berichts ist das Bordbuch der Reise PLA10-26 mit der MV Plancius, 3. bis 16. August 2026. Die Fotos stammen aus dem Bildarchiv von Oceanwide Expeditions und zeigen die beschriebene Region — nicht zwingend die geschilderte Abfahrt.

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