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Reiseberichte

Eisbär, Walross, Buckelwal: was man auf einer Spitzbergen-Umrundung wirklich sieht

Elf, vierzehn, dreizehn Eisbären. Sieben, zwölf, sechzehn Walrosse. Drei Umrundungen im selben Sommer liefern belastbare Zahlen — und zeigen, welche Tiere wann zu erwarten sind. Mit Preisen und Terminen.

5. Juni 2026 · von Leguan Reisen
Eisbär, Walross, Buckelwal: was man auf einer Spitzbergen-Umrundung wirklich sieht
© Birgit Lutz

Elf Eisbären auf der einen Reise, vierzehn auf der nächsten, dreizehn auf der dritten. Sieben Walrossbegegnungen im Juli, zwölf zwei Wochen später, sechzehn Ende August. Buckelwale: auf der ersten Umrundung des Sommers keiner, danach fünf und vier. Drei Umrundungen Spitzbergens im selben Jahr, mit demselben Schiff, auf derselben Route — und drei sehr verschiedene Antworten auf die Frage, die vor jeder Buchung steht: Was sieht man dort eigentlich wirklich?

Wie viele Eisbären sieht man wirklich?

Auf den drei Umrundungen des Sommers 2023 wurden elf, vierzehn und dreizehn Eisbärbegegnungen festgehalten — über jeweils rund zwei Wochen. Das ist erstaunlich konstant, und es ist die ehrlichste Zahl, die wir zu diesem Thema anbieten können.

Wichtig ist, was diese Zahl nicht bedeutet. Eine Begegnung ist nicht automatisch ein Bär in fünfzig Metern Entfernung. Sie reicht vom gelblichen Punkt am Hang, den man nur durchs Fernglas als Bär erkennt, bis zum Tier, das am Ufer entlangläuft, während das Schiff treibt und alle an Deck stehen. Der Anteil der nahen, fotografierbaren Beobachtungen ist deutlich kleiner — realistisch zwei bis vier pro Reise.

Eisbär am Ufer in Spitzbergen, im Wasser davor mehrere Walrosse
Eisbär und Walrosse an derselben Uferlinie — solche Szenen sind der Grund, warum die Ostküste auf der Route liegt. Foto: Birgit Lutz

Und die Zahl bedeutet nicht, dass eine kürzere Reise sie anteilig erreicht. Eisbären sieht man dort, wo Eis ist — und das Eis liegt im Osten und Norden, also genau auf der Umrundungsroute. Eine Woche an der Westküste kommt nicht auf die halbe Zahl, sondern auf deutlich weniger.

Wo genau? Die dichtesten Begegnungen der drei Reisen lagen an der Ostküste von Edgeøya und Barentsøya, an der Eiskante nördlich von Nordaustlandet und rund um die Insel Hopen. Die Westküste, auf der die meisten Kurzreisen unterwegs sind, lieferte am wenigsten.

Eisbär liegt zwischen Treibholz an einem Strand in Spitzbergen
Im Sommer ohne Eis liegen Bären oft stundenlang still — Beobachtungen dauern dann, statt spektakulär zu sein. Foto: Andreas Umbreit

Wann sieht man Walrosse, wann Wale?

Hier gehen die drei Reisen deutlich auseinander — und zwar in einem erkennbaren Muster.

 9.–24. Juli24. Juli – 8. Aug.23. Aug. – 7. Sep.
Eisbär111413
Walross71216
Buckelwal54
Beluga17

Walrosse nehmen im Saisonverlauf klar zu: sieben Anfang Juli, sechzehn Ende August. Sie liegen an bekannten Plätzen — Poolepynten, Torellneset, Sarstangen, Andréetangen — und je später im Sommer, desto verlässlicher sind diese Plätze besetzt. Eine Walrossgruppe an Land ist die einzige Tierbeobachtung Spitzbergens, die sich halbwegs planen lässt.

Walrosse liegen an einem Strand in der Tundra Spitzbergens, im Hintergrund ein Segelschiff
Walrossliegeplätze sind ortsfest — deshalb ist diese Beobachtung die verlässlichste des Archipels. Foto: Andreas Umbreit

Buckelwale tauchen ab Ende Juli auf. Auf der Julireise war keiner dabei; die beiden späteren Reisen sahen fünf beziehungsweise vier. Wer wegen der Wale fährt, sollte nicht die früheste Reise wählen. Was man dabei sieht, sind in aller Regel Rücken und Fluke beim Abtauchen — nicht springende Tiere. Solche Bilder existieren, sie sind aber die seltene Ausnahme.

Belugas sind unberechenbar. Eine Reise sah sie einmal, die nächste gar nicht, die dritte sieben Mal. Sie ziehen in Gruppen dicht unter der Küste entlang, meist vor Gletschermündungen, wo Süß- und Salzwasser sich mischen. Man sieht sie entweder oder eben nicht — planbar ist das nicht.

Vogelkolonien und Polarfüchse

Die Vogelbeobachtung folgt einem klaren Kalender. Alkefjellet in der Hinlopenstraße — Basaltsäulen von bis zu 100 Metern Höhe, auf deren Simsen zehntausende Dickschnabellummen brüten — wurde von den beiden Julireisen angelaufen und von der Augustreise ausgelassen. Ende August sind die Klippen leer: Die Küken springen bereits im Juli ins Wasser, bevor sie fliegen können.

Am Fuß solcher Kolonien jagen Polarfüchse, weil dort regelmäßig Küken und Eier herunterfallen. Wer Polarfüchse sehen will, schaut also nicht in die Tundra, sondern unter die Vogelwand.

Weiter im Norden brüten Elfenbeinmöwen, eine der seltensten Arten der Arktis, und in den Fjorden sitzen Eiderenten, Küstenseeschwalben, Krabbentaucher und Dreizehenmöwen. Küstenseeschwalben verteidigen ihre Nester im Sturzflug — Landgänge in ihrer Nähe absolviert man mit erhobenem Stock über dem Kopf.

Rentiere, Robben und der Rest

Spitzbergen-Rentiere sind eine eigene Unterart: kleiner und gedrungener als ihre skandinavischen Verwandten, mit kurzen Beinen und dickem Fell, und weitgehend furchtlos, weil sie keine Landraubtiere kennen. Sie stehen auf jeder Reise in der Tundra herum, meist einzeln, und lassen sich beim Fressen nicht stören. Sie sind die verlässlichste Tierbeobachtung des Archipels — und die einzige, die niemand vorher plant.

Bartrobben und Ringelrobben liegen auf Eisschollen, oft in der Nähe von Gletscherfronten. Die Bartrobbe ist die Hauptbeute des Eisbären; wo viele Robben auf Schollen liegen, lohnt sich das Suchen mit dem Fernglas.

Schädel eines Eisbären mit Zähnen auf einem Felsen in der Tundra Spitzbergens
Knochenfunde in der Tundra sind häufig — Spitzbergen konserviert alles, was einmal dort lag. Foto: Andreas Umbreit

Was passiert an Bord, wenn nichts passiert?

Auf einer Zweiwochenreise gibt es Tage, an denen gefahren wird. Nebel über dem Storfjord, Wind im Wahlenbergfjord, eine lange Etappe um das Südkap. Was dann geschieht, unterscheidet die Reisen mehr als die Tierzahlen.

Auf der Reise Ende August stand die Wissenschaft im Mittelpunkt. Die Gäste nahmen Wasserproben aus verschiedenen Tiefen, untersuchten Plankton unter dem Mikroskop und dokumentierten, was sie fanden. Am Chermsideøya im Norden gab es Vorträge zu den Inschriften, die Schiffsbesatzungen dort über Jahrzehnte mit Steinen in den Boden gelegt haben.

Auf allen drei Reisen gab es Strandreinigungen: sechs, zwölf und fünf über die jeweilige Reise verteilt. Der Müll, der in Spitzbergen anlandet, kommt fast nie von Spitzbergen — er stammt überwiegend aus der Fischerei im Nordatlantik, Netzreste, Taue, Fischkisten, und wird von der Strömung angeliefert. Gesammelt wird nach Protokoll: Die Funde werden nach Kategorien gezählt und gewogen und auf einem Erfassungsbogen festgehalten.

Gäste sammeln bei einer Strandreinigung an einem weiten Kiesstrand in Spitzbergen angeschwemmten Müll
Strandreinigung auf einem Kiesstrand: Gezählt, kategorisiert und gewogen — nicht nur eingesammelt. Foto: Birgit Lutz

Das ist kein Programmpunkt, um die Zeit zu füllen. Es ist erfahrungsgemäß die Beschäftigung, an die sich Gäste hinterher am deutlichsten erinnern — deutlicher als an manche Tierbeobachtung.

Was Sie realistisch erwarten sollten

  • Eisbären: auf einer zwei Wochen langen Umrundung ein gutes Dutzend Begegnungen, davon zwei bis vier nah. Eine Kurzreise an der Westküste erreicht nicht die halbe Zahl.
  • Walrosse: sehr wahrscheinlich, mehrfach — besonders in der zweiten Saisonhälfte.
  • Buckelwale: ab Ende Juli mit guter Wahrscheinlichkeit, meist Rücken und Fluke. Anfang Juli eher nicht.
  • Belugas: Zufall. Planbar ist das nicht.
  • Vogelkolonien: bis etwa Ende Juli. Danach sind die Klippen leer.
  • Rentiere und Robben: praktisch sicher, auf jeder Reise.
  • Blau- und Finnwale: möglich, aber selten und meist weit entfernt.

Was Sie nicht erwarten sollten: springende Buckelwale neben dem Beiboot, Eisbären auf zwanzig Meter, zutrauliche Polarfüchse. Solche Bilder existieren — sie sind die Ausnahme aus vielen Saisons und kein Reiseversprechen. Wer mit dieser Erwartung fährt, ist nach zwei Wochen enttäuscht, obwohl die Reise gut war.

Preise, Termine und Schiffe

Die drei Umrundungen von 2023 fuhr die MS Cape Race mit zwölf Gästen; sie ist inzwischen nicht mehr in Spitzbergen unterwegs, sondern in Grönland. Buchbar sind derzeit diese Umrundungen:

ReiseDauerAbfahrtPreis ab
Spitzbergen Umrundung inkl. Nordaustlandet10 Tage17.08.20265.450 €
Spitzbergen Umrundung inkl. Nordaustlandet10 Tage26.08.20265.450 €
Rundum Spitzbergen – im Reich der Eisbären10 Tage29.06.20275.700 €
Rundum Spitzbergen – im Reich der Eisbären10 Tage06.07.20275.700 €
Rundum Spitzbergen – im Reich der Eisbären10 Tage15.07.20275.700 €

Eine Umrundung kostet damit zwischen 5.450 und 5.700 Euro für zehn Tage. Auf sehr kleinen Schiffen mit rund zwölf Gästen liegen die Preise höher, dafür ist die Reise länger: MS Sjøveien ab 9.740 € (11–14 Tage), MS Stockholm ab 10.040 € (11–12 Tage), MS Balto ab 12.440 € (14 Tage).

Für Tierbeobachtungen ist die Schiffsgröße nicht nebensächlich. Bei zwölf Gästen geht man gemeinsam an Deck, wenn etwas gesichtet wird, und das Schiff kann treiben, statt einem Zeitplan zu folgen. Bei zweihundert Gästen wird auch aus einer guten Sichtung eine Choreografie.

Kleines Expeditionsschiff in türkisfarbenem Wasser vor schneebedeckten Bergen in Spitzbergen
Ein Schiff, das anhalten darf: Die Größe entscheidet, wie lange man bei einer Sichtung bleiben kann. Foto: Birgit Lutz

Ein Hinweis zur Planung: Seit 2025 dürfen Schiffe in den Schutzgebieten nur noch 43 vorab gebuchte Landeplätze anlaufen. Das betrifft Anlandungen, nicht Beobachtungen vom Schiff aus — die Zahlen oben bleiben belastbar.

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Welche Reisezeit zu Ihren Beobachtungswünschen passt, sagen wir Ihnen konkret — sprechen Sie uns an.

Alle Zahlen stammen aus den Bordaufzeichnungen dreier Umrundungen der MS Cape Race im Sommer 2023: 9.–24. Juli und 24. Juli–8. August unter Expeditionsleiter Andreas Umbreit, 23. August–7. September unter Expeditionsleiterin Birgit Lutz. Gezählt sind Begegnungen, nicht einzelne Tiere. Fotos: Andreas Umbreit und Birgit Lutz. Preise und Termine Stand August 2026, Änderungen vorbehalten.

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